Caralin Dorian Florescu

"Jacob beschliesst zu lieben"

Buchpreis CH 2011

C.H. Beck, Fr. 30.50

In seinem neuen großen Roman erzählt Catalin Dorian Florescu die abenteuerliche Lebensge-schichte des Jacob Obertin aus dem schwäbischen Dorf Triebs-wetter im rumänischen Banat. Es ist eine Geschichte von Liebe und Freundschaft, Flucht und Verrat und darüber, wie die Fähigkeit eines Menschen zu lieben ihn über alles hinwegretten kann. Jacobs Geschichte - zeitlich zwischen dem Ende der 20er- und Anfang der 50er-Jahre angesiedelt - weitet sich zu einem Familienepos, in dem temporeich und in dichten, fantastischen Bildern das Schicksal der Obertins über 300 Jahre hinweg erzählt wird, beginnend mit dem 30jährigen Krieg in Lothringen. In diesem zärtlichen und spannen-den Buch bekommen wir auch ein atemberaubendes Konzentrat europäischer Geschichte geboten. Das Bild einer Welt, die nicht zur Ruhe gekommen ist.

Nicholas Shakespeare

Die Erbschaft

Rowohlt, Fr. 28.50
Andy Larkham ist spät dran. Er will zur Beerdigung seines Lieblings-lehrers, der ihm einmal sagte: «Es ist schwer, etwas aus sich zu machen.» Andy , ständig pleite, mit einem miesen Verlagsjob und einer Verlobten, die kurz davor ist, ihm den Laufpass zu geben, fällt es besonders schwer. Und nun stolpert er in die falsche Trauer-feier, und als er seinen Irrtum bemerkt, ist es ihm zu peinlich, während der Zeremonie zu gehen. Am Ende unterzeichnet er das Kondolenzbuch, und diese Unterschrift macht ihn überra-schend zu einem reichen Mann. Aber sie hat noch ganz andere, unerwartete Konsequenzen, und er muss sich fragen, welchen Preis er für die jähe Veränderung seines Lebens zu zahlen bereit ist ... Vom Armenien der Jahrhundertwende über Australien bis nach London - Nicholas Shakespeare entführt uns auf eine außergewöhnliche Reise, erforscht die Versuchungen unvermuteten Wohlstands, die Geheimnisse einer zerrütteten Familie und dessen, was es kostet, sich treu zu bleiben. Die Erbschaft ist Liebesgeschichte und Tragödie zugleich - eine moderne Romanze, die viel Freude bereitet.

Richard C. Morais

Madame Mallory
und der kleine indische Küchenchef

Pendo, Fr. 28.90
Seine früheste Erinnerung ist der Duft von scharfem Curry. Als Hassan Haji über einem turbulenten Imbissladen in Bombay das Licht der Welt erblickt, ahnt niemand, welch großes Talent in ihm schlummert. Erst Tausende Kilometer entfernt, in einem verschlafenen französischen Dorf, entdeckt der Junge seine Leidenschaft für die hohe Kunst des Kochens - und gerät mitten hinein in eine handfeste Restaurant-Fehde: Seiner indischen Großfamilie und ihrem lebhaften Lokal schlägt die offene Verachtung der alteinge-sessenen Madame Mallory entgegen, die genau gegenüber einen sternedekorierten Gourmettempel führt. Bis sie Hassans Gabe erkennt und anbietet, ihn in die Geheimnisse der gehobenen Küche einzuführen. Doch nur wenn der Lehrling die Straßenseite wechselt und bei ihr einzieht - in die Höhle der Löwin...

Rafik Schami

Die Frau, die ihren mann auf dem Flohmarkt verkaufte,
oder wie ich zum Erzähler wurde

Hanser, Fr. 25.90

Hunderttausende Menschen haben Rafik Schamis Erzählungen zugehört, und für seine Veranstaltungen in Deutschland hat er rechnerisch schon neunmal die Erde umkreist: Rafik Schami ist einer der letzten mündlichen Erzähler. In seinem neuen, persönlichsten Buch erzählt er, wie es dazu gekommen ist: Er berichtet von seiner Kindheit in Damaskus, als es noch Geschichtenerzähler gab, die im Kaffeehaus ihr Garn gesponnen haben, er zeichnet ein liebevolles Portrait seines Großvaters, und er macht sich Gedanken darüber, wie die Märchen in die Welt gekommen sind. In diesem Buch, und das macht den großen Reiz aus, spricht Schami mit dem Leser - und wir hören ihm atemlos zu.

Franz Hohler

Der Stein
Erzählungen

Luchterhand, 29.90
In jedem Stein liegt eine eigene Geschichte. Manchmal ist das, was uns als Zufall erscheint, voller Zwangsläufigkeit. Im Rückblick betrachtet, zumindest. Oder auch umgekehrt kann das, was wir für Notwendigkeit halten, in Wahrheit nichts als Zufall sein. Enorm unterhaltsam und mit dem ihm eigenen Sinn für das, was sich unserem Alltag nicht fügen will, kreisen Franz Hohlers Erzählungen um das, womit niemand rechnet, das aber umso zielstrebiger geschieht.
Was hat einen jungen Mann während einer Demonstration dazu getrieben, einen unauffälligen Stein neben sich aufzuheben und ihn in die Menge zu schleudern? Warum begeistert sich der Präsident eines Landes an einem frühen Morgen für eine junge Katze und gewährt ihr, gegen den Rat seiner hochrangigen Mitarbeiter, einen ersten Unterschlupf in seinem Büro?

Larissa Boehning

Das Glück der Zikaden

Galiani Berlin, Fr.28.90
Wunden, die das Leben schlug. Larissa Boehnings geschichten-satter großer Roman über drei Frauen auf der Suche nach einem selbstbestimmten Leben. Moskau, Ende der 30er Jahre. Hitlers Landsleute sind in Moskau unerwünscht. Die Familie der überzeugten Kommunistin, aber deutschstämmigen Sängerin Nadja wird gezwungen, auszuwan-dern. Ausgerechnet ins verhasste Nazideutschland müssen sie, ihr Mann Anton und die zwei Kinder. An eine Bühnenkarriere ist in Berlin nicht zu denken. Ihr anpass-ungsfähiger Mann übernimmt die Ernährung der Familie, er erstellt für eine Zeitung Horoskope. Nie wird Nadja ihm seinen eilfertigen Verrat aller früheren Ideale verzeihen. Sie verschließt sich in sich selbst - bis sie ... Erst in der dritten Generation verheilen die Wunden, die die Vertreibung Nadjas aus Moskau schlug.
Larissa Boehning ist ein großer Wurf gelungen, eine dreifache Ost-West-Geschichte, eine dreifache Suche ihrer Figuren nach Heimat, sich und ihren Wurzeln - und das alles in einer Sprache, die in der deutschen Literatur ihresgleichen sucht: hochmusikalisch